Laster Todsünden

Wilhelm Busch Reue Laster Todsünden

Gedicht von Wilhelm Busch über Tugend und Laster

1904 hat Wilhelm Busch seinen letzten Gedichtband veröffentlicht, «Zu guter Letzt». Darin steht das Gedicht mit dem Titel «Reue». Es passt zu unseren Überlegungen über das Laster.

Die Tugend will nicht immer passen.
Im ganzen läßt sie etwas kalt,
Und daß man eine unterlassen,
Vergißt man bald.

Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster
Der von vergangnen Zeiten träumt,
An die Gelegenheit zum Laster,
Die er versäumt.

Wilhelm Busch Tugend Laster
Laster Todsünden

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Laster: Was wir nicht sollen, aber wollen. Das neue Wort zum Sonntag vom 14. August 2022

Es gibt Dinge, die ändern nie. Eine solche Sache sind die Laster – sie haben die Menschen schon immer «geplagt», sie plagen uns heute und sie werden auch morgen noch da sein. Und doch können wir nicht sein ohne sie! Irgendwie finden wir Gefallen an ihnen.

Was sind diese Laster? Woraus bestehen sie? Schon im 5. Jahrhundert hat ein Einsiedler, Euagrios Pontikos, darüber nachgedacht. Von ihm stammt die sogenannte Achtlasterlehre, später wurde die Zahl auf sieben reduziert. Der Maler Hieronymus Bosch hat sie gemalt, eine Art «Renaissance-Comic». Wir schauen die sieben Laster an und überlegen, was sie mit uns zu tun haben.

Für Kommentare bitte zuerst das Video öffnen, dann unterhalb des Videos in der Youtube-Kommentarspalte eintragen. Man kann das Video ab Samstagabend auch hier schauen – hier ergibt sich manchmal eine interessante Diskussion.

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Laster Todsünden

Heiko Ernst Relevanz Todsünden Laster

Heiko Ernst: Ein Essay über die Relevanz der 7 Todsünden (Laster) heute

Hier ein paar Zitate aus dem Text (geschrieben 2014), es lohnt sich aber das ganze Essay zu lesen (Aufwand etwa eine Viertelstunde).

Weil die sogenannten Todsünden offensichtlich anthropologische Konstanten erfassen, taugen sie dazu, auch das Verhalten zeitgenössischer Menschen zu reflektieren und den Gestaltwandel der moralischen und ethischen Probleme ihrer Gesellschaften zu untersuchen. Manche Todsünde gilt heute gar als Tugend.

Heiko Ernst.

Auch für Nichtgläubige bietet die Konfrontation mit den “Großen Sieben” tiefe Einsichten in die eigene Psyche: Sie sind eine erhellende, manchmal verstörende Möglichkeit der Selbsterkenntnis.

Heiko Ernst.

Neid ist die erste Sünde jenseits von Eden: Kain erschlug Abel aus Neid. Aber spätestens mit dem Beginn des bürgerlichen Zeitalters ist Neid der eigentliche Motor des Fortschritts und des wirtschaftlichen Wachstums.

Heiko Ernst.

Wer Schuld für seine schlechten Taten nicht anerkennen will, kann auch die guten nicht für sich reklamieren. Die Todsünden legen unseren Charakter als Ganzes bloß – man kann sie nicht abspalten, rationalisieren oder trivialisieren.

Heiko Ernst.